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Altes Amtsgericht in Dieburg soll Haus der Begegnung werden


Das Gebäude des Alten Amtsgerichts in Dieburg könnte in absehbarer Zukunft ein Haus der Begegnung werden. Das Land Hessen als Eigentümer, die Stadt Dieburg und die lokale Interessengemeinschaft unterzeichneten heute eine Absichtserklärung, um für das Projekt binnen eines Jahres tragfähige Voraussetzungen zu schaffen.

Im vergangenen Jahr hat sich in Dieburg eine Interessengemeinschaft gebildet, die das 120 Jahre alte Gebäude zu einer Begegnungsstätte für die Dieburger Bürgerinnen und Bürger entwickeln möchte. Die Interessengemeinschaft besteht aus engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die in der lokalen Vereinslandschaft verwurzelt und aktiv sind. Das Haus soll nach den Plänen der Interessengemeinschaft Dieburger Vereinen, Gruppen und lokalen Künstlern zur Verfügung gestellt werden und ein Ort der Gemeinschaft werden.

Ziel ist es, dass Alte Amtsgericht in eine geeignete Struktur zu überführen, die eine Sanierung der Liegenschaft ermöglicht und neben den räumlichen auch die rechtlichen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen für eine Begegnungsstätte schafft. Zu diesem Zweck erhält die Interessengemeinschaft ein Jahr lang die Möglichkeit, ein geeignetes und wirtschaftlich tragfähiges Konzept zur Übernahme, Sanierung, Nutzung und für den Betrieb zu entwickeln. Dabei müssen beispielsweise Art, Umfang und Kosten der Instandsetzung und des Betriebs ermittelt und festgelegt werden. Die Projekt-Finanzierung soll nach den Plänen der Interessengemeinschaft durch öffentliche Zuschüsse und Förderprogramme sowie durch Spenden, Eigenleistungen der Vereinsmitglieder und Kooperationen mit Dieburger Handwerksbetrieben und der Kreisberufsschule erfolgen. 

Im Anschluss wird das Konzept auch vom Land und der Stadt bewertet. Kommen alle am Prozess Beteiligten zu dem Ergebnis, dass das Konzept geeignet und wirtschaftlich tragfähig ist, erklärt sich das Land bereit, das Gebäude des Alten Amtsgerichtes für das Projekt zur Verfügung zu stellen und damit zu verkaufen. Das Land prüft parallel zur Konzeptentwicklung die finanziellen Rahmenbedingungen für einen Verkauf der Liegenschaft. Die Stadt prüft, ob sie die Liegenschaft vom Land übernehmen und für das Projekt zu Verfügung stellen kann. 

Die Stadt Dieburg wird die Interessengemeinschaft während der Konzeptionierungsphase organisatorisch unterstützen, insbesondere durch die fachliche Begleitung in bauplanungs- und bauordnungsrechtlicher Hinsicht. Das Land Hessen wird während der Projektplanungen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, etwa bei der Suche nach Fördermöglichkeiten. Das Land kommt während der Konzeptionierungsphase weiterhin für die laufende Unterhaltung des Alten Amtsgerichts auf. Land, Stadt und Interessengemeinschaft informieren sich gegenseitig regelmäßig über den aktuellen Stand der Entwicklungen.

„Gemeinsam wollen wir dem Alten Amtsgericht in Dieburg eine spannende Zukunftsperspektive eröffnen: Land, Stadt und Interessengemeinschaft haben heute eine Absichtserklärung unterzeichnet, damit dort ein Ort der lebendigen Gemeinschaft für die Dieburgerinnen und Dieburger entstehen kann“, erklärte Hessens Finanzstaatssekretär Dr. Till Kaesbach bei der Unterzeichnung der Absichtserklärung in Dieburg. „Die an das Land herangetragene Idee für ein Haus der Begegnung hat uns überzeugt. Deshalb begleiten wir die weitere Konzeptentwicklung, für deren Ausarbeitung und Umsetzung die Interessengemeinschaft verantwortlich ist, konstruktiv. Damit das Projekt am Ende ein Erfolg wird, braucht es ein solides, nachhaltiges Sanierungs- und Betriebskonzept. Auf dem anspruchsvollen Weg dahin möchten wir der Interessengemeinschaft und auch der Stadt ein guter und verlässlicher Ansprechpartner sein.“

„Ich freue mich sehr, dass wieder eine Perspektive für das Alte Amtsgericht besteht", erklärte Bürgermeister Frank Haus. „Dieses geschichtsträchtige Gebäude ist Teil unserer Stadtidentität – und es verdient es, mit neuem Leben erfüllt zu werden. Dass sich eine engagierte Interessengemeinschaft gefunden hat, die Verantwortung übernimmt und das Haus künftig als Ort der Begegnung und des Austauschs für unsere Bürgerinnen und Bürger entwickeln möchte, ist ein starkes Signal für den Zusammenhalt in Dieburg. Gemeinsam setzen wir heute ein wichtiges Zeichen für die Zukunft dieses besonderen Ortes.“

„Wir übernehmen Verantwortung für dieses prägende Gebäude und für die Zukunft unserer Innenstadt", sagte 1. Stadtrat Renée Exner. „Mit dem heutigen Schritt stellen wir die Weichen dafür, dass das Alte Amtsgericht wieder der gesamten Stadtgesellschaft dienen kann.“ Und Günter Hüttig als Vertreter der Interessengemeinschaft Altes Amtsgericht Dieburg erklärte: „Das Alte Amtsgericht soll sich zu einem lebendigen Treffpunkt für Kultur, Begegnung und Engagement entwickeln – zu einem Ort, der Dieburg guttut. Lasst es uns tun. Wir haben nur 12 Monate Zeit, hier gemeinsam etwas Konkretes zu entwickeln. Die Interessensgemeinschaft lädt alle Bürgerinnen und Bürger ein, sich mit Ideen und persönlichem Einsatz aktiv einzubringen. Lasst uns gemeinsam hier etwas Neues schaffen.“

Das Gebäude, das 1905 eingeweiht wurde, war bis 1979 Sitz des Amtsgerichtes. Nach dem Auszug des Gerichts war in der Liegenschaft bis 2004 das Staatliche Schulamt untergebracht. Das Gebäude wurde zwischenzeitlich als Außenstelle des Freilichtmuseums Hessenpark und zuletzt bis zum Frühjahr 2025 zu Lagerzwecken durch die Niederlassung Süd des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen (LBIH) genutzt. Das denkmalgeschützte Gebäude hat eine Gesamtfläche von rund 1.400 Quadratmetern auf einem circa 1.800 Quadratmeter großen Grundstück. Die Liegenschaft befindet sich in stark sanierungsbedürftigem Zustand. Einen Landesbedarf am Objekt gibt es nicht mehr.