Stadtbibliothek

„Buchtipps aus der Stadtbibliothek“


Mit der Rubrik „Buchtipps aus der Stadtbibliothek“ stellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre persönlichen Lieblingsbücher aus dem Bestand vor. Im Mai teilt Bibliotheksleiterin Annette Rüth ihre drei Leselieblinge:

„Der Kaninchenstall“ von Tess Gunty

Der Roman spielt in der fiktiven, sterbenden Stadt Vacca Vale (Indiana) und folgt einer Gruppe von Figuren über einen Zeitraum von drei Sommertagen, als ihre Leben heftig kollidieren. Im Zentrum steht eine junge Frau namens Blandine, die vor kurzem das Höchstalter für die staatliche Pflegeunterbringung erreicht hat. Sie hat eine Obsession für weibliche katholische Mystikerinnen entwickelt. Und obwohl sie nicht religiös ist, sehnt sie sich danach, die göttliche Ekstase, die die Mystikerinnen in ihren Werken beschreiben, zu erreichen. Blandine ist die Heldin dieses Romans, aber für mich symbolisiert sie als Hauptfigur Vacca Vale selbst. Die Handlung spielt Jahrzehnte nach der Schließung des Hauptwerkes, und mittlerweile ist die Brutalität der rohstoffausbeutenden Wirtschaft überall sichtbar geworden: auf den verlassenen Geländen von Fabriken, in den imposanten und unnatürlichen Mais-Monokulturen und selbst in den verschlossenen Gesichtern der Menschen.

„Ich fand den Roman spannend und anrührend zugleich, beschreibt er doch die Einsamkeit und Zerrissenheit der Menschen, die in diesem ‚Kaninchenstall‘ leben. Mit überraschenden Begegnungen. Sehr empfehlenswert.“

„Die Pest“ von Albert Camus

Für mich ein „Dauerbrenner“ top aktuell und bedrückend realistisch, beschreibt er doch das aktuelle politische Geschehen genau und lässt darüber staunen, dass Camus diesen Roman bereits in den 1940er Jahren schrieb. Wie lebt es sich in einer Gesellschaft, die von einem Bazillus heimgesucht wird und von der Außenwelt abgeschnitten ist? Und noch wichtiger: Was tun in diesem allzu wirklichkeitsnahen Albtraum? Albert Camus hatte die Geschichte der Pest studiert und die Résistance im besetzten Frankreich durchlebt. Seine Antwort auf die Frage ist einfach und kompliziert zugleich: Steht auf, tut euch zusammen und handelt! „Die Pest“ erzählt von einer Gruppe Männer, die gar nicht erst versuchen, die sinnlose Krankheit zu verstehen, sondern stattdessen Hygieneregeln aufstellen, Kranke isolieren, Verstorbene begraben und ein Heilmittel entwickeln.

Wie alle Seuchen geht auch diese Pest irgendwann zu Ende. Doch Camus warnt seine Leser vor falscher Sicherheit: Krankheitserreger wie Totalitarismus, Rassismus oder gedankenloser Opportunismus werden nie ganz verschwinden. Wir müssen uns gegen sie erheben und gemeinsam handeln, um jede wiederkehrende Welle einzudämmen – immer und immer wieder.

„In tiefster Nacht“ von Harlan Coben

Eigentlich bin ich kein Trillerfan, bei Harlan Coben mache ich aber eine Ausnahme. Als der US-Student Sami Kierce nach einer Partynacht im spanischen Málaga mit dröhnendem Schädel und einem Messer in der Hand aufwacht, nimmt der Albtraum erst seinen Anfang: Anna, das bezaubernde Mädchen aus der Disco, liegt blutverschmiert und tot neben ihm. Sami meldet sich bei der Polizei, doch als man an den Tatort zurückkehrt, ist der Leichnam verschwunden. Noch ahnt der junge Mann nicht, dass dieses Ereignis sein Leben für immer verändern wird. 22 Jahre später: Der einst erfolgreiche Detective Sami Kierce, der bei der Mordkommission des NYPD arbeitete, wurde wegen mehrerer Vergehen im Dienst suspendiert. Er hält sich mit Gelegenheitsjobs als Detektiv für eine renommierte Anwaltskanzlei über Wasser. Abends unterrichtet er an der „Academy Night Adult School“ und gibt einen Kurs in Kriminologie, als er plötzlich ein vertrautes Gesicht im Kursraum entdeckt: Anna. Auch wenn sich ihre Blicke nur einen flüchtigen Moment treffen, ist sich Sami sicher, die totgeglaubte Frau erkannt zu haben. Er setzt alles daran, Anna zu finden, weil er wissen muss, was in der verhängnisvollen Nacht in Spanien wirklich geschah.

Harlan Cobens Thriller ist megaspannend, wendungsreich – und den Protagonisten muss man einfach mögen, obwohl er schrullig und verschroben ist. Wieder ein sehr gelungener und spannender Thriller.