Kultur, Museum

Frauen in der Revolution von 1948/49


Die Vorstellung der politischen Beteiligung von Frauen war Mitte des 19. Jahrhunderts lediglich auf die Gastgeberrolle in politischen Salons beschränkt. Es gab unter den Männern der Paulskirche niemanden, der eine Form von Beteiligung, geschweige denn das Frauenwahlrecht, überhaupt ansprach. Clotilde Koch-Gontard war eine Frankfurter Salonnière aus einer wohlhabenden alteingesessenen Familie, die mit vielen anderen bekannten Frankfurter Familien der damaligen Zeit näher oder weitläufig verwandt bzw. verschwägert war. Anhand ihrer Geschichte wird Dr. Helma Brunck aus Frankfurt am Freitag, 24. November 2023, ab 18 Uhr im Museum Schloss Fechenbach die Revolution von 1848 beleuchten. 

Im Fokus der Biographie soll dabei die außergewöhnlich hohe Bildung von Clotilde Koch-Gontard stehen und ihre Fähigkeit, vor allem mit Künstlern und Politikern auf hohem Niveau zu kommunizieren, die immer wieder gerne bei ihr, der „Parlamentsmutter“, ein- und ausgingen. Auch bedeutende „1848er“ rücken in den Mittelpunkt, vor allem Parlamentspräsident Heinrich von Gagern, aber auch andere Mitstreiter seiner Casino-Fraktion und Angehörige aller anderen Richtungen der Frankfurter Nationalversammlung. 

Eine wertvolle und grundlegende Quelle ist das im Nachlass Gagerns im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt erhaltene (Parlaments-)Tagebuch, das Clotilde Koch Gontard im Frühjahr 1848 begann und im Dezember 1848 abschloss – obgleich die Frankfurter Nationalversammlung bis 1849 tagte. Es reicht bis zum Rücktritt Gagerns als Parlamentspräsident in Frankfurt und seinem Wechsel nach Wien. Im Tagebuch erfährt man zahlreiche Details, die Clotilde damals als Frankfurter Bürgerin erlebte, aber auch etliches aus ihrem Alltag. Nicht zuletzt werden viele Parlamentarier und andere bekannte Zeitgenossen aus ihrer persönlichen Sichtweise heraus geschildert, wobei auch die ein oder andere Anekdote eingeflochten wird. Vor allem Heinrich von Gagern wird immer wieder fokussiert, wobei manche Passagen auf sehr viele Emotionen Clotildes gegenüber dem Parlamentspräsidenten hindeuten. Ob es eine tiefe Zuneigung war, darüber kann nur spekuliert werden – in jedem Fall stand sie politisch auf seiner Seite. 

Die Verfasserin der Biografie, Helma Brunck, bringt neben Clotilde Koch-Gontard viele Frauen zu Ehren, deren Rolle während der Revolutionszeit bislang fast völlig im Schatten blieb, während die männlichen Protagonisten – häufig aufgrund der besseren Quellenlage – präsenter sind. Anhand einschlägiger Quellen und Literatur kann inzwischen nachgewiesen werden, dass Frauen im 19. Jahrhundert selbstverständlich kein bisschen weniger politisch interessiert und engagiert waren als Männer. Sie gaben sich nicht mit der Rolle der Zuschauerinnen und Dulderinnen der Ereignisse zufrieden, sondern griffen entsprechend ihres tatsächlichen Handlungsvermögens auch ein. 

Beginn des Vortrags ist um 18 Uhr, der Eintritt kostet 5 Euro. Die Biografie von Dr. Helma Brunck kann an diesem Abend zu einem Sonderpreis erworben werden.